Südafrikareise der Maria Ward Schulen aus Günzburg

Südafrikafahrt des Maria-Ward-Gymnasiums Günzburg

                             Let the light shine bright – Lasst das Licht hell erstrahlen

Am 29.10.2018 war es endlich so weit: 26 Schülerinnen aus den Klassen 6 bis 12 des Maria-Ward-Gymnasiums Günzburgs, 3 Lehrkräfte und die Mutter einer Schülerin machten sich auf den weiten Weg nach Pretoria, um ihre Partnerinnen, die sie im Oktober vergangenen Jahres hier in ihren Familien aufgenommen hatten, wieder zu sehen. Bereits am Flughafen in Johannesburg gab es die erste Überraschung: die Gruppe wurde von 3 schuleigenen Bussen abgeholt und auf einem dieser Busse war ein großes Foto des Chors aufgenommen in der Frauenkirche. Das Wiedersehen mit den südafrikanischen Mädchen und deren Familien an der Loreto Queenswood School war sehr herzlich, alle fühlten sich sofort wohl.

Die Verbindung zwischen der Loreto Queenswood School in Pretoria und dem Maria-Ward-Gymnasium in Günzburg kam durch das weltweite Netz der Loreto / Maria Ward Schulen zustande, deren Gründerin Maria Ward war. In diesen katholischen Schulen setzt man sich für soziale Gerechtigkeit und eine gleichwertige Bildung von Mädchen und Jungen ein, wobei die Fähigkeiten und die Persönlichkeit des einzelnen Kindes im Mittelpunkt stehen.

Nach der ersten Nacht in den Familien kamen alle an der Schule zusammen, um zu einem interessanten Ausflug nach Johannesburg, das etwa 60 Kilometer von Pretoria entfernt ist, aufzubrechen. Es ging nach Gold Reef City, einem Freizeitpark, in welchem die Gruppe zunächst in die ehemalige Goldmine einfuhr und viel über die Jahre des 19. Jahrhunderts lernte, in denen Johannesburg aufgrund der Goldfunde zu einer der reichsten und größten Städte Afrikas wurde.

Am nächsten Tag führte der Ausflug nach Lesedi Village, ein kulturelles Dorf, in welchem die Gruppe die kulturellen Traditionen und die Lebensweise der verschiedenen Völker Südafrikas erlebte. Abgerundet wurde die Führung durch eine beeindruckende Vorführung verschiedener afrikanischer Tänze und ein afrikanisches Büffet, bei welchem uns vor allem das Krokodilfleisch sehr schmeckte.

Wir konnten uns zeitlich gut einleben, denn Südafrika liegt in der gleichen Zeitzone wie Deutschland. Durch die Einführung der Winterzeit in Deutschland, gab es nur eine Stunde Zeitunterschied, da Südafrika in der Sommerzeit ist. Wie wir feststellten, stehen die Südafrikaner noch früher auf als wir Deutschen. Der Wecker klingelte bereits um 4.45 Uhr und das Frühstück war wirklich früh. Die Schule beginnt wie bei uns um 7.40 Uhr, jedoch haben viele der Schüler/-innen einen langen Fahrweg, einige wohnen bis zu 70 Kilometer entfernt. Ab 6.00 Uhr sind schon Schulkinder da, die auf der großen Grünfläche vor der Schule Fußball, Handtennis oder auch Kricket spielen … ein schöner Anblick aufgrund der Schuluniform.

Am nächsten Tag feierten wir in der an das Gelände der Loreto School anschließenden Kirche eine feierliche Messe zu Allerseelen. Vor der Reise hatte unser Musiklehrer mit den Mädchen 4 geistliche Lieder einstudiert, die wir nun aufführten. Bei dem Gospelsong „Let the light shine bright“ sangen wir die erste Stimme, die Schülerinnen und Schüler des Senior Choir sangen dann wie im Kanon die zweite Stimme. Dieser gemeinsame Gesang, den wir schon letztes Jahr an unserem Maria-Ward-Gymnasium erlebt hatten, stellte ein Symbol für unsere Gemeinschaft und Einheit dar. Tatkräftig unterstützt wurde unser Südafrikachor durch die wohlklingende Stimme unseres Schuldirektors, Herrn Hörtrich, der am Tag zuvor angereist war. Unsere Mädchen trugen ihr Dirndl und beeindruckten die Schulfamilie durch ihr Auftreten.

Nach der Messe brachen wir in den 3 Bussen, in denen die Schülerinnen viel sangen und lustige Geschichten von den Gastfamilien erzählten, zu einem Ausflug nach Maropeng auf, zur Wiege der Menschheit. In der Region in der Nähe von Johannesburg wurden die Skelette des Urmenschen gefunden, darum gehört die Cradle of Humankind zum Weltkulturerbe. Wir machten eine Reise durch die Evolution auf einer Unterwasser-Bootstour durch die Elemente. Dann folgte ein Entdeckungsmuseum, das die Meilensteine der Evolution mit Darstellungen der unterschiedlichen Homo Spezies sehr plastisch zeigte. Nach einer kurzen Mittagspause fuhren wir zu den nahe gelegenen Sterkfontein Caves. Bei einer Führung durch die eindrucksvolle Höhle erfuhr die Gruppe, dass hier die weltbekannten Fossilien von Mrs Ples und Little Foot gefunden worden sind.

Schon war Wochenende und Entspannung stand im Mittelpunkt. Mit 4 Bussen und 116 Kindern fuhren wir in die Provinz Limpopo nach Bela Bela, wo sich die Warm Baths befinden. Es war heiß, etwa 26 Grad und alle Kinder stürzten sich voller Freude in die warmen und kalten Schwimmbadbecken, rutschten die Reifenrutsche hinunter und erfrischten sich im Wasser. Die südafrikanischen Kinder hatten selbst hier einheitliche Badeanzüge und Badehosen, mit dem Logo der Schule darauf.

Am Sonntag machten unsere Schülerinnen etwas mit den Familien, sie lernten unterschiedliche Orte, Museen, Restaurants in und um Pretoria kennen.

 

2 Tage lang war dann unsere Gruppe allein unterwegs im Pilanesburg National Park. In Safarifahrzeugen machten wir uns auf die Suche nach den Big Five und konnten vier davon entdecken, nämlich Elefanten, Nashörner, Büffel und Löwen. Zudem sahen wir auch andere Tiere, die uns beeindruckten und fast direkt neben uns in der Savanne zu sehen waren, wie beispielsweise Zebras, Giraffen und viele Antilopenarten. Die Tiere leben hier frei auf einer Fläche von 55 Hektar und wir konnten sie während unserer beiden Safaritouren gut beobachten. Wir verbrachten die Nacht in afrikanischen Chalets, probierten viele afrikanische Speisen am reichhaltigen Büffet und erfrischten uns im Swimming Pool.

Um etwas näher in die Geschichte der Republik Südafrika einzutauchen, stand am nächsten Tag das Apartheidmuseum in Johannesburg auf unserem Programm. Dort sahen wir zahlreiche Fotografien, Plakate, Filme und Ausstellungsstücke über die Zeit von 1948 bis 1994, die uns die heutige Situation Südafrikas besser verstehen ließen. Nach diesem ziemlich bedrückenden Erlebnis ging es zu einem der schönsten südafrikanischen Restaurants, Moyo’s, das uns durch seine Lage in der Nähe des Zoos von Johannesburg und sein afrikanisches Ambiente sehr beeindruckte. Alle wurden im Gesicht afrikanisch bemalt und es gab afrikanisches Essen – Gemüsesuppe, die man aus einer Tasse trank, als Hauptspeise Hähnchen, Fisch, dazu Reis und Erdnusspüree und als Nachspeise Malva Pudding mit Eis, dazu Softdrinks und für die Erwachsenen einen hervorragenden südafrikanischen Wein - es schmeckte allen sehr gut.

 

Zurück in Pretoria nahmen die Schülerinnen am Abend Abschied in den Familien. Wir Lehrkräfte feierten mit dem Lehrerkollegium der Schule Erntedank. Nach dem Gottesdienst in der schuleigenen Kapelle gab es ein Büffet mit deutschen Gerichten.

Unser letzter Tag vor dem Heimflug war etwas ganz Besonderes, denn man konnte spüren, wie sehr sich unsere Schülerinnen mit den südafrikanischen Familien angefreundet hatten. Zuerst gab es Musikworkshops, in denen uns die Musiklehrerinnen der Schule ein Stück auf afrikanischen Trommeln und ein Stück auf den Marimbas beibrachten. Am Ende klang es wirklich gut. Danach besuchten unsere Schülerinnen den Unterricht in den verschiedenen Klassen, von der 1. bis zur 7. Klasse. Wir nutzten die Gelegenheit, auch in die Vorschule zu schauen, in welcher die Kinder, die zwischen 3 und 6 Jahre alt sind, gerade einen Nikolausumschlag für ihr Zertifikat gestalteten. Nikolaus und Weihnachten im Sommer, für uns etwas fast Unfassbares …. Nach der Pause versammelten sich alle Schulkinder in der großen Halle, um uns zu verabschieden. Unsere Mädchen hatten ihr Dirndl an und wir sangen „Awesome God“ und danach „Auf der schwäbschen Eisenbahne“, wobei die Chorkinder der Loreto Queenswood School es schafften, jeweils den Refrain mitzusingen. Nach der Rede des Direktors sangen die Kinder des südafrikanischen Senior Chors das irische Segenslied, welches sie letztes Jahr bei uns in Günzburg aufgeführt hatten und ein afrikanisches Lied. Die Magie ihrer wunderschönen Stimmen ergriff uns alle und es gab kaum jemanden, der nicht Tränen in den Augen hatte. Der Abschied von den Partnerinnen und der Schulfamilie fiel allen schwer, es wurden kleine Geschenke, Adressen und Handynummern ausgetauscht. Nach einem deutschen Imbiss mit Wienern und Kartoffelsalat stiegen wir in die 3 Schulbusse. Wir fuhren langsam durch ein Spalier winkender Mädchen und Jungen, die Luftballons in den Händen hielten und im Chor „We love you“ riefen.

Überwältigt von der Warmherzigkeit, der Gastfreundschaft und der Dankbarkeit dieser Kinder, die für immer einen Platz in unseren Herzen haben werden, machten wir uns auf den Rückweg nach Deutschland, wo wir nach dem langen Flug an einem kalten, nebligen Novembertag ankamen.

 

Dieser Austausch mit unserer südafrikanischen Schwesterschule war eine tolle Erfahrung für alle, die daran beteiligt waren. Er hat uns gezeigt, dass die Ideale, Werte und die Visionen Maria Wards auch in der heutigen Zeit in den Ländern und Kontinenten, in denen es Maria Ward und Loreto Schulen gibt immer noch Gültigkeit haben. Unsere Aufgabe heute ist es, diese Schulen mit Leben zu füllen und im Sinn Maria Wards als Lehrerinnen und Lehrer daran weiter zu arbeiten. Für unsere Günzburger Maria Ward Schulen und die Loreto School in Pretoria ist das weltweite Netzwerk der Maria Ward / Loreto Schulen ein Glücksfall, auf dem wir aufbauen, sowie Kraft und Energie schöpfen können. Wir können stolz darauf sein, als Günzburger Privatschule nicht allein zu sein, sondern weltweit Geschwisterschulen zu haben, die sich mit der gleichen christlichen Grundhaltung für die Bildung und das Wohl ihrer Schülerinnen und Schüler einsetzen. Unsere 26 Schülerinnen haben sich beim Betreten der Loreto Queenswood School sofort heimisch gefühlt. Man spürte genau wie an der Günzburger Schule den Geist Maria Wards, der sich in der Haltung des Lehrerkollegiums und der Schülerinnen und Schüler widerspiegelte. Beide Schulen zeigten enormen Mut, indem sie sich auf den langen Weg begaben, die andere Schule zu besuchen. Die Begegnungen waren überwältigend und es sind dadurch Freundschaften entstanden, die es uns erlauben, diesen Weg weiter zu gehen.

Die Direktoren der beiden Schulen, Herr Hörtrich und Mr Pallozzi, versprachen, die Beziehung zwischen den beiden Schulen weiter auszubauen und auch in den kommenden Jahren Projekte und Fahrten durchzuführen und diese tatkräftig zu unterstützen.

 

Marlies Fock